Ich bin dann mal weg

An all diejenigen, die dieses Blog hier verfolgt haben, eine Entschuldigung. Ich kann leider nicht mehr die Zeit finden, wirkliche Beiträge zu schreiben und ich will nicht, dass dieses Blog so ein halbschlafendes Konstrukt wird, in dem alle zwei Monate mal ein neuer Beitrag erscheint. Deswegen beende ich mein Blog hiermit offiziell, es werden keine neuen Beiträge folgen.

Hamburg, du schöne Stadt!

Ich bin mal wieder sensationell dabei, mich für ein paar Tage zu verabschieden. Genauer genommen bis Samstagabend, auch wenn ich nicht weiß, ob ich mich dann schon an den Computer raffen kann. Sei dem wie es ist, ich verschwinde morgen Vormittag hochkant in Richtung Norden, nach Hamburg.

Da ich über keinen Laptop verfüge und es sich auf meinem iPod touch nicht wirklich gut tippt, wird für diese Zeit wohl Stillstand herrschen, selbst wenn ich im Hotel WLAN haben sollte. Daher wundert euch nicht, wenn es kurz mal etwas ruhiger wird. Keine Sorge, ich komme zurück. ;)

KaMPf d3N hdggGGgdl <3

„Hi SüzZzze, ish hab diCh qanZ arq lüüüüp <3″ Solche Sätze sind das traurige Produkt einer heutzutage weit verbreiteten Jugendkultur.

Ich taufe sie mal die HEAGDL-Rechtschreibung, ein offizieller Name ist das allerdings nicht. Für Laien: HEAGDL steht für Hab euch alle ganz doll lieb. Wird in den unterschiedlichsten Variationen geschrieben: meist mit wild durcheinandergewürfelter Groß- und Kleinschreibung und einer unzahl von G-Buchstaben. (Lit.: Hab euch alle ganz ganz ganz ganz ganz doll lieb).

Manche Menschen werden sie vielleicht noch nicht bemerkt haben, je nachdem in welchen Ecken des Netzes sie sich herumtreiben. Wer hingegen schon einmal im schülerVZ war, sich die Facebook-Seiten von Dreizehn-, Vierzehnjährigen angeschaut hat oder über ein Forum gestolpert ist, das hauptsächlich von frühen Teenagern besucht wird, hat sich garantiert schon einmal verwundert die Augen gerieben.

Dort gehört es gewissermaßen zum guten Stil, die deutsche Rechtschreibung zu verhunzen. Es ist fast wie eine Art Wettbewerb, wer die absurdesten Schreibweisen findet, die gerade noch verständlich sind. Nur um ein paar Elemente aufzuzählen (Warnung: Der Autor distanziert sich hiermit von den unten genannten Angaben und übernimmt keine Haftung für eventuell entstehende psychische oder physische Schäden, die bei der Lektüre entstehen könnten. Einschließlich Augenkrebs, aufkeimender Legasthenie und Beule-vom-mit-der-Faust-gegen-die-Stirn-patschen):

  1. Sinnlose Vervielfachung von Konsonanten, besonders s ist betroffen und Konsonanten, die sowieso schon gedoppelt werden. (habennnnnnnn, süssssssssse)
  2. Wahllose Groß- und Kleinschreibung. Beachte: Nie am Anfang des Wortes groß schreiben, schon gar nicht bei Substantiven, sondern am besten in der Wortmitte und in langen Konsonantenketten (siehe 1.)
  3. Ersetzung von bestimmten Konsonanten. Besonders beliebt ist es, g durch q zu ersetzen und s durch z, sowie ch durch sh und b durch p. Besonders auf das ersetzende z werden gerne die Punkte 1 und 2 angewandt. (süzZzZZze, ich maq dish) Teilweise trifft das auch auf Vokale zu, ie wird gern mit ü replatziert.
  4. Im Stil von Leetspeak werden häufig bestimmte Buchstaben durch Ziffern ersetzt, etwa e durch 3 (es liest sich wie ein umgedrehtes Schreibschrift-E) und a durch 4 (man drehe eine 4 um etwa 45°, um zu sehen, was ich meine).
  5. Wer sich die absurdeste und längste Abkürzung ausdenkt, hat gewonnen! Hdgdl ist noch lange nicht genug (Hab dich ganz doll lieb). Ileagad ist nicht etwa eine Stadt in Mittelerde, sondern steht für Ich lieb euch alle ganz arg doll. Besonders arg, ganz und doll sind beliebte Bekräftigungsverben, die häufig vervielfältigt werden, um ihre Wirkung zu unterstreichen.
  6. Je fantasievoller ein Smiley, desto besser. Wer verwendet denn noch :-) oder :-( . Asiatische Smileys sind angesagt: ^_^ (kurz: ^^) ^u^. Oder solche: -.-, -,-. Oder das hier: –@ (wer hats erkannt? Das ist eine Blume). Oder das: @== (in ICQ ist das eine Bombe).

Für alle, die sich noch an eine letzte verzweifelte Hoffnung geklammert haben: Das ist weder Satire noch Übertreibung, sondern die bittere Wahrheit. Bitter vor allem auch deswegen, weil die Schreiber meist keine Rechtschreibschwachen oder Hauptschulabbrecher sind, sondern durchaus auch Leute, die in Deutsch auf dem Gymnasium auf einer zwei stehen und es eigentlich wirklich können.

Als Autor bin ich sehr tolerant, was sprachliche Aspekte wie die dichterische Freiheit angeht und kann mir auch beim übermäßigen Gebrauch von Anglizismen noch auf die Zunge beißen (ein paar verwende ich auch selbst häufig), aber irgendwo hört das belächelnde Kopfschütteln auf und verwandelt sich in ein Stirnrunzeln. Ich meine, was ist der Sinn davon, die Sprache absichtlich zu verhunzen? Wenn das heute cool ist, wie werden dann Geschäftsbriefe in zwanzig Jahren aussehen? Ich bin jedenfalls ratlos angesichts dieses Trends und ertappe mich dabei, wie ich händeringend vor dem Bildschirm sitze und hoffe, dass diese Welle nicht überschwappt.

Wir Deutschen haben eine so schöne Sprache (nein, ich bin kein Nazi, noch nicht einmal konservativ orientiert – eigentlich eine Schande, dass man das häufig dazusagen muss), wann werden wir uns dem endlich bewusst und hören auf, unser Heil in der Fremde zu finden? (Übrigens finde ich es lächerlich, dass Lena Meyer-Landrut auf Englisch singt, das sie nicht gar so virtuos beherrscht, während irgend ein kleiner Balkanstaat den Mut aufbringt, trotz der Gefahr, dass die Zuschauer seinen Text nicht verstehen, seine Landessprache zu verwenden…)

Neuer Kindle im August?

Ich mag E-Books nicht sonderlich, aber der Buchmarkt scheint das anders zu sehen. Nicht umsonst überschlagen sich die Branchenriesen mit neuen E-Book-Readern und damit zusammenhängender Technik.

Der aktuelle Kindle-Reader

Der aktuelle Kindle-Reader

Den großen Durchbruch hat zu Beginn Amazon mit seinem Kindle E-Book-Reader gemacht, der ein internationaler Erfolg wurde. Doch auch die Konkurrenz schläft natürlich nicht: Sony zog gleich nach und mittlerweile hat auch Apple es sich nicht nehmen lassen, in sein iPad einen grafisch hübsch aufbereiteten E-Book-Reader einzubauen. Nur logisch also, dass der momentan marktführende Amazon-Konzern jetzt irgendwie nachziehen muss.

Laut inoffiziellen Angaben zweier Insider, die der Nachrichtenagentur Blomberg vorliegen, soll deshalb nun im August eine neue Version des Kindle in den USA herauskommen. Vor allem drei technologische Dinge sind es, die dabei verbessert werden sollen:

  1. Das Gerät soll dünner werden und ein wenig eleganter aussehen (man muss ja wissen, was man von so einem Reader hat, eh?)
  2. Die Kontraste sollen erhöht werden, damit sich das Lesen mehr wie bei einem echten Buch anfühlt (warum nimmt man dann kein echtes Buch? Pffft, typisches „Hauptsache alles virtuell“)
  3. Die Zeit für das Umblättern von Seiten soll verkürzt werden.

Einen Touchscreen soll das neue Kindle allerdings immer noch nicht besitzen (DAS wäre mal eine schöne Neuerung – dann würde ich mir das Teil vielleicht sogar mal kaufen). Vielleicht ein Aussöhnungsangebot mit Apple. In der Technologiebranche haben sie sich ja alle so lieb.

Diejenigen Spezialisten, die für 2010 bereits eine vollständige Verdrängung gewöhnlicher Bücher durch E-Books vorausgesagt haben, sehen sich allerdings wiederlegt. Laut aktueller Analysten sollen 2010 gerade mal 6 Millionen E-Book-Reader verkauft werden. Immerhin ist das die doppelte Anzahl der 2009 verkauften Exemplare. Sie machen langsam Fortschritte.

Ich jedenfalls werde noch eine ganze Weile warten, bis ich mir einen E-Book-Reader zulege. E-Books kosten bei den renommierten Verlagen fast genau so viel wie gewöhnliche Bücher und für die muss ich mir kein 300 Euro teures Lesegerät zulegen. Meine Augen tun es auch noch. Außerdem ist es wie bei Apple-Produkten: Die ganzen Deppen den Hype ausleben lassen, darauf warten, dass sie alle Fehler entdecken und wenn diese gefixt sind, noch einmal überlegen, ob man das vielleicht kauft…

Die Kunst der richtigen Fragen

Sie sind das Herzstück einer jeden Geschichte: Charaktere. Ohne sie geht es nicht, aber natürlich ist Charakter nicht gleich Charakter.

Einfache und flache Charaktere gibt es, Superhelden, die alles lächelnd mit der linken Hand erledigen, oder Antihelden, die uns gerade deshalb so sympathisch sind, weil sie nicht perfekt sind. Aber auch einen Mittelweg zwischen diesen beiden Polen.  Figuren, die einfach nur ihre Vergangenheit vergessen wollen oder solche, die in Erinnerungen schwelgen. Choleriker, Phlegmatiker, Freunde, Feinde.

Damit ein Leser ein Buch mag, muss er sich mit den Charakteren identifizieren können. Das stellt jeden Autor vor eine knifflige Aufgabe: Er muss interessante und vielschichte Charaktere entwerfen, die abwechslungsreich sind und immer wieder überraschen können. Aber wie? Wie lernt man die Facetten seiner Charaktere kennen? Wie entlockt man ihnen diese zahllosen kleinen Details, die sie so faszinierend machen?

Viele schwören dabei auf ein Mittel: Charakterfragebögen. Man darf nun nicht den Fehler begehen Fragebogen mit Steckbrief gleichzusetzen. Es geht dabei nicht – oder nur wenig – um simple Merkmale, wie manche sie vielleicht noch aus ihrer Kindheit (in diesen putzigen „Freundebüchern“) kennen. Größe, Geburtstag, Gewicht, Lieblingsfarbe, Lieblingsessen und dergleichen. Das ist zwar alles hilfreich zu wissen, aber es ist meist irrelevant und vor allem ziemlich oberflächlich.

Echte (oder besser gesagt: gute) Charakterfragebögen sehen anders aus. Sie beinhalten zwar häufig auch diese oberflächlichen Merkmale, gehen allerdings noch wesentlich tiefer. Das Aussehen spielt eine Rolle, aber das wichtigste daran ist, welche Auswirkungen es auf die Figur hat und wie es andere beeinflusst, die mit ihr interagieren. Um die Vergangenheit geht es, um ihr soziales Umfeld und wie diese Faktoren die Person geprägt haben. Wie das Verhältnis der Person zu ihrem Umfeld ist, wie ihre Ansichten in philosophischen Fragen wie der Religion aussehen. Und schließlich der vollständige Charakter der Figur: Ängste, Sehnsüchte, psychische Krankheiten oder Störungen, Gewohnheiten, Fähigkeiten.

Ich benutze mittlerweile auch häufig Charakterfragebogen, wenn ich neue Figuren entwerfe und ich muss sagen, dass es mir wirklich hilft. Es bringt eine gewisse Struktur in den Charakterentwurf und ist allemal besser als einfach alle Merkmale, die einem so in den Sinn kommen, nacheinander auf ein Blatt Papier zu klatschen. Außerdem zwingen sie dazu, über Aspekte nachzudenken, denen man sonst keinerlei Beachtung geschenkt hätte, die aber dennoch wichtig sind.

Allerdings gilt auch das, wie alles, nicht uneingeschränkt: Man darf sich nicht zu sehr an die Fragen auf Fragebogen klammern. Solange man sie als Hilfsmittel sieht, als Möglichkeit zur Entdeckung eigens erschaffener Figuren, sind sie ein enormer Fortschritt. Vor allem Frischlinge unter den Autoren (insbesondere diejenigen, die geradewegs aus der PC-Rollenspielbranche kommen ;) ) neigen dazu, sich zu sehr an einen Fragebogen zu klammern. Das wiederum führt dazu, dass man von Figuren nur noch in Stereotypen denkt, was man in jedem Fall vermeiden sollte.

Einen sehr detaillierten, wenn auch englischen, Fragebogen findet man auf Epiguide. Ein nicht ganz so konkreter, aber dennoch sehr hilfreicher Bogen wurde im Tintenzirkel gepostet.

Fantastische Charaktere: The Blade Itself

Es gibt wenige Bücher, die mich von Beginn an wirklich fesseln, bei denen ich schon nach drei Seiten weiß, dass es sich um etwas außergewöhnliches handelt. Eines davon ist The Blade Itself von Joe Abercrombie. Die deutsche Version heißt, ganz gemäß der üblichen Präzision deutscher Titelübersetzungen, Kriegsklingen. Ich habe allerdings nur die englische Version gelesen (die um einiges billiger ist ;-) ).

Das Cover von The Blade Itself

Cover von The Blade Itself

The Blade Itself fesselt, vor allem durch seine Charaktere. Es ist, als hätte Abercrombie mein Flehen schon im Voraus erhört: Es sind vielschichtige Charaktere, faszinierende Charaktere, Charaktere, die sich entwickeln, die nicht ganz so sympathisch sind und mir trotzdem irgendwie ans Herz gewachsen sind. Logen, der Barbar mit einer düsteren Vergangenheit als brutaler Schlächter und Krieger, der eigentlich allen Kämpfen aus dem Weg gehen will. Nur wollen die Kämpfe ihm nicht aus dem Weg gehen. Jezal dan Luthar, ein adliger Offizier und wie die Umschlagsbeschreibung so schön sagt: a paragon of selfishness. Er kommt aus reichem Haus, hat für das gemeine Volk nur Verachtung übrig und liebt es, seine sogenannten Freunde beim Kartenspiel zu schröpfen. Last but not least mein persönlicher Lieblingscharakter: Inquisitor Sand dan Glokta. Einst ein gefeierter Offizier und Gewinner des alljährlichen spektakulären Fechtturniers, dann ein Kriegsgefangener. Sein unfreiwilliger Gastgeber, der Imperator von Gurkhul, hat ihn nach allen Regeln der Kunst foltern lassen, sodass er kaum noch selbstständig gehen kann. Ein Krüppel, mit einer sehr zynischen Weltsicht, der seinen Opfern mit eher unmoralischen Mitteln Geständnisse entlockt und sich dabei immer wieder fragt, warum er das eigentlich tut. Schon sein erster Auftritt als Perspektiventräger beginnt mit dem Satz Why do I do this?

Die sprachliche Ausgestaltung passt ganz in die Atmosphäre des Buches: düster, derbe und unangenehm realistisch. Fuck oder shit in allen grammatikalischen Variationen finden sich auf jeder zweiten Seite und der Autor macht sich keine große Mühe, die weniger poetischen Angelegenheiten des Alltags sanft zu umschreiben. In dieser Hinsicht ähnelt er stark George R. R. Martin, ohne dass das bedeutet, dass er irgendwelche Ideen „geklaut“ hätte.

Die Charakterentwicklung ist fantastisch, auch die Nebencharaktere nehmen sich im Vergleich zu den drei Protagonisten nicht gerade flach aus, sondern schillern in den unterschiedlichsten Farben. Ich hasse Spoiler, was die Handlung angeht, deswegen werde ich mich darüber ausschweigen, aber dieses Buch ist wirklich ein Meisterwerk und ich kann es jedem nur empfehlen. Abercrombie ist das neue Gesicht der nicht ganz so klassischen High-Fantasy und er versteht es wirklich, Emotionen zu vermitteln. Wer seine Bücher liest, an dem ziehen sie nicht nur leicht und flockig vorbei, sondern sie reißen brutal in die Geschichte hinein. So müssen Bücher sein!

Schreib oder stirb!

Diese Allianz ist der größte Feind eines jeden Schriftstellers: der innere Schweinehund gepaart mit dem inneren Lektor. Wenn die beiden einmal zusammenkommen, dann ist jede Motivation im Keim erstickt, jedes geschriebene Wort eine Qual und jeder Rückblick auf das eigene Werk ein Abgrund des Selbstzweifels. Schreibblockade nennt sich so etwas auch. Das ewige Nachdenken darüber, welches Wort als nächstes zu setzen ist, das Herumwälzen tausender Möglichkeiten im Kopf. So passiert es manchmal, das autor sich an einem Satz eine Stunde lang aufhängt, drei Stunden braucht, um eine Seite brauchbaren Textes zu produzieren.

Write Or Die online

Write Or Die online

Die gute Nachricht: Dagegen lässt sich etwas unternehmen! Nicht nur die üblichen nutzlosen Ratschläge, so gut gemeint sie auch sein mögen („Einfach weiterschreiben.“ oder „Das ist gar nicht so schlecht wie du denkst.“ oder „So ein Tief hat jeder Mal, irgendwann kommt man da raus.“), sondern ein handfestes Hilfsmittel. Wohlgemerkt: Ein Hilfsmittel. Kein Allheilmittel. Den kleinen Funken Motivation muss man immer noch selbst aufbringen und nicht bei jedem hilft es. Schließlich gibt es zahllose unterschiedliche Schreib-“Strategien“.

Des Rätsels Lösung heißt: Write Or Die, eine kostenlose Webapplikation. Das Prinzip ist ganz einfach: Schreiben unter Zeitdruck. Und damit ist kein abstrakter Zeitdruck gemeint, wie eine Deadline in fünf Monaten, sondern handfeste Sekunden. Nur Wörter zählen. Die Einstellungen sind einfach: die gewünschte Zeit und die gewünschte Wortzahl eingeben, z.B. 600 Worte in 20 Minuten und los geht es. Für alle, die ein wenig Stress im Nacken brauchen, um vorwärts zu kommen, die ideale Wahl. Ein karges, spartanisches Fenster erscheint. Links unten läuft die verbleibende Zeit sekundenweise rückwärts, rechts wächst die Anzahl der bereits geschriebenen Worte kontinuierlich.

Das an sich ließe sich natürlich auch ganz old-fashioned mit einer Eieruhr lösen. Der Clou dabei: Sobald man eine bestimmte Zeit lang nichts schreibt, färbt sich der Hintergrund in ein alarmierendes Rot und bei aktivierten Boxen tönen höllische Geräusche aus den Lautsprechern. Wenn man fertig ist, kann man mit seinen Ergebnissen per Mausklick über Twitter, Facebook und Co. prahlen. Seit einiger Zeit gibt es zusätzlich für $10 die Desktop-Edition, ein normales Programm, das einige weitere Features enthält.

Dieses Prinzip taugt sicherlich nicht für jeden, mir zum Beispiel hat es aber sehr geholfen. Meine wph (words per hour)-Leistungskurve ist beeindruckend. Handschriftlich (ganz am Anfang): 600 wph. OpenOffice: 1000 wph. Write Or Die: 2000 wph. Natürlich wird dabei viel Müll produziert und viele Formulierungen sind nicht perfekt, aber darum geht es bei der Erstfassung auch nicht. Keine Erstfassung ist perfekt und das wichtigste ist es eigentlich, überhaupt einmal zu schreiben und nicht tausend Möglichkeiten im Kopf zu wälzen.

Mehr Menschlichkeit in die Fantasy!

Es sind nicht die phantastischen Elemente (so wundervoll sie auch sein mögen), die dieses Buch so gut machen, sondern das, was der Autor über wahre, gewöhnliche Dinge zu sagen hat, über Ambitionen und Scheitern, Kunst, Liebe und Verlust.

Diese Worte stammen aus der Feder keines anderen als des berühmten Fantasy-Altmeisters Tad Williams. Er hat das über den Namen des Windes (übrigens ein sehr empfehlenswertes Buch, nebenbei) gesagt, doch es gilt im Prinzip für jedes Fantasy-Buch. Und es kommt häufig viel zu kurz.

Das ist das Problem, das zahllose Fantasy-Gegner mit meinem heißgeliebten Genre haben – und ehrlich gesagt: ich kann sie verstehen. Ein schöner Elf kommt mit einem bärtigen Zwerg auf einem blauen Drachen angeritten und teilt unserem Protagonisten sinngemäß mit: Hey, du, da ist irgend so ein ungläublich mächtiger, böser Herrscher irgendwo da draußen und will unsere Welt vernichten. Du musst nur dieses magische Artefakt mit diesem und diesem Zauber vernichten, um ihn aufzuhalten. Aus dieser Grundidee muss nicht unbedingt ein schlechter Roman folgen, aber das ist in Wirklichkeit meistens der Fall.

Es geht nicht darum, die phantasievoll ausgestaltetsten Fabelwesen zu entwerfen. Es geht nicht darum, die absurdesten magischen Artefakte zu erfinden. Literatur dreht sich um Menschen, sie dient dazu, eine vermeintliche Struktur in unser ungeordnetes und zusammenhangloses Leben zu bringen. Was Menschen mitreißt, das sind grundlegende Gefühle: Ambitionen, Hass, Furcht und vor allem anderen: Liebe. Egal in welcher Zeit, in welcher Gesellschaft, in welcer Welt: diese Dinge machen ein Buch aus und sie bringen selbst Fantasy-Muffel dazu, Bücher wie Harry Potter oder den Namen des Windes zu lesen.

Ein interessanter, vielschichtiger Protagonist ist tausend Mal fesselnder als die noch so große Bedrohung. Leider haben das viel zu wenige Autoren erkannt. Besonders die Fantasy der 70er und 80er Jahre und auch heute noch die meisten billigen Tolkien-Klone jonglieren mit fremden Rassen und phantastischen Bösewichten, denen sich ein flacher Strahlehelden-Protagonist entgegenstellt, dessen größte Gefühlsregung darin besteht, ob der ihm übergebenen Aufgabe zu resignieren. Hier treten die Figuren in den Hintergrund, es geht nur noch darum, dass der Bösewicht ausgerottet wird. Auch der kommt meistens ziemlich kurz. Aus irgendeinem Grund hegt er einen Hass auf alle und jeden. Der Protagonist selbst ist meistens austauschbar wie eine Pappfigur. (Ein aktuelles trauriges – wenn auch erfolgreiches – Beispiel ist in dieser Hinsicht zum Beispiel der Eragon-Zyklus.) Selbst ein Groschenroman ist emotionsgeladener.

Deshalb mein Aufruf an alle Fantasy-Autoren dieser Welt: Schaut euch die Bücher von Autoren wie Patrick Rothfuss, George R.R. Martin oder Joe Abercrombie an und lernt daraus: Konflikte, die mitreißen, entstehen aus den Figuren selbst und nicht aus einem deus ex machina, der aus unergründlichen Absichten die Welt vernichten will.

Einige Tage Ruhe

Bis Donnerstag oder Freitag wird es vermutlich etwas ruhiger um dieses Blog werden. Ich werde ein exotisches Land besuchen, seine Landschaft unter freiem Himmel bewundern und in einer luxuriösen Unterkunft leben. Naja, fast. Eigentlich mache ich eine Fahrradtour in den Vogesen und bin auf einem Campingplatz einquartiert. Ich schätze, es wird mir nicht gelingen, unterwegs irgendwo eine Internetverbindung aufzutreiben, deswegen verabschiede ich mich hiermit vorläufig und wünsche allen schöne Pfingsten!

Übrigens an alle Fußballfans: Daumen drücken! Ich bin kein Bayern-Fan, aber ein deutscher Champions-League-Sieger wäre auf jeden Fall mal wieder was. Außerdem würde Deutschland dann einen vierten CL-Platz bekommen!

Sarkasmusdetektor entwickelt

Sarkasmusdetektor? Da klingelt doch was. Genau:

Aber halt! Forschern von der Hebräischen Universität in Jerusalem ist es tatsächlich gelungen, so etwas zu bauen. Was heißt, virtuell zu bauen. Das Ganze ist nämlich eine Software, die auf einem herkömmlichen Computer funktioniert. Und das ganz ohne Ironie!

Ein Sarkasmusdetektor also. Warum auch nicht? Zweifellos eine überaus nützliche Erfindung. Im Internet ist es ja schließlich schwer zu unterscheiden, was ernst gemeint ist und was sarkastisch. Nur logisch, dass der Mensch daraufhin eine Maschine baut, die diese Arbeit für ihn abnimmt. Was wohl passiert, wenn man das Ding mit Spracherkennung ausstattet und eine Folge Dr. House im Hintergrund laufen lässt?

Immerhin eine Trefferquote von 77% wird dem neuen Algorithmus bescheinigt. Wenn man sich die Durchschnittskommentare von Nazis, Forentrollen und George W. Bush ansieht, dann scheint er tatsächlich intelligenter zu sein, als manche Menschen oder gar Bevölkerungsgruppen. Von wegen Computer könnten nicht denken! Natürlich gibt es noch Möglichkeiten, dieses Ergebnis von 77% noch weit zu steigern. Je nach verwendeten Untersuchungsobjekten ließe sich vermutlich die Trefferquote allein dadurch auf 90% erhöhen, indem man stumpfsinnig alles als Sarkasmus markiert. Sollte ich mal entwickeln, so eine Software. Das wäre eine effiziente Problemlösung. Apropos: Insider behaupten ja weiterhin, im HTML5-Standard werde es ein <irony>-Tag geben. In diesem Artikel gibt es außerdem einen integrierten, todsicheren Sarkasmuscheck. Aktivieren per STRG+A.

Aber mal ganz im Ernst: Ein Sarkasmusdetektor ist wirklich ein weiterer großer Schritt in Richtung des intelligenten Computers, der nicht nur Daten in einem speziellen Format, sondern auch Sprache selbst verstehen und analysieren kann. Ich glaube fest daran, dass es in fünfzig Jahren möglich sein wird, einen leeren Chatroom zu betreten und mit einem Computerbot ein gewöhnliches Gespräch zu führen. Dass die Grundidee nicht unmöglich ist, weiß man schließlich schon seit ELIZA.

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