Schreib oder stirb!
27. Mai 2010 2 Kommentare
Diese Allianz ist der größte Feind eines jeden Schriftstellers: der innere Schweinehund gepaart mit dem inneren Lektor. Wenn die beiden einmal zusammenkommen, dann ist jede Motivation im Keim erstickt, jedes geschriebene Wort eine Qual und jeder Rückblick auf das eigene Werk ein Abgrund des Selbstzweifels. Schreibblockade nennt sich so etwas auch. Das ewige Nachdenken darüber, welches Wort als nächstes zu setzen ist, das Herumwälzen tausender Möglichkeiten im Kopf. So passiert es manchmal, das autor sich an einem Satz eine Stunde lang aufhängt, drei Stunden braucht, um eine Seite brauchbaren Textes zu produzieren.
Die gute Nachricht: Dagegen lässt sich etwas unternehmen! Nicht nur die üblichen nutzlosen Ratschläge, so gut gemeint sie auch sein mögen (“Einfach weiterschreiben.” oder “Das ist gar nicht so schlecht wie du denkst.” oder “So ein Tief hat jeder Mal, irgendwann kommt man da raus.”), sondern ein handfestes Hilfsmittel. Wohlgemerkt: Ein Hilfsmittel. Kein Allheilmittel. Den kleinen Funken Motivation muss man immer noch selbst aufbringen und nicht bei jedem hilft es. Schließlich gibt es zahllose unterschiedliche Schreib-”Strategien”.
Des Rätsels Lösung heißt: Write Or Die, eine kostenlose Webapplikation. Das Prinzip ist ganz einfach: Schreiben unter Zeitdruck. Und damit ist kein abstrakter Zeitdruck gemeint, wie eine Deadline in fünf Monaten, sondern handfeste Sekunden. Nur Wörter zählen. Die Einstellungen sind einfach: die gewünschte Zeit und die gewünschte Wortzahl eingeben, z.B. 600 Worte in 20 Minuten und los geht es. Für alle, die ein wenig Stress im Nacken brauchen, um vorwärts zu kommen, die ideale Wahl. Ein karges, spartanisches Fenster erscheint. Links unten läuft die verbleibende Zeit sekundenweise rückwärts, rechts wächst die Anzahl der bereits geschriebenen Worte kontinuierlich.
Das an sich ließe sich natürlich auch ganz old-fashioned mit einer Eieruhr lösen. Der Clou dabei: Sobald man eine bestimmte Zeit lang nichts schreibt, färbt sich der Hintergrund in ein alarmierendes Rot und bei aktivierten Boxen tönen höllische Geräusche aus den Lautsprechern. Wenn man fertig ist, kann man mit seinen Ergebnissen per Mausklick über Twitter, Facebook und Co. prahlen. Seit einiger Zeit gibt es zusätzlich für $10 die Desktop-Edition, ein normales Programm, das einige weitere Features enthält.
Dieses Prinzip taugt sicherlich nicht für jeden, mir zum Beispiel hat es aber sehr geholfen. Meine wph (words per hour)-Leistungskurve ist beeindruckend. Handschriftlich (ganz am Anfang): 600 wph. OpenOffice: 1000 wph. Write Or Die: 2000 wph. Natürlich wird dabei viel Müll produziert und viele Formulierungen sind nicht perfekt, aber darum geht es bei der Erstfassung auch nicht. Keine Erstfassung ist perfekt und das wichtigste ist es eigentlich, überhaupt einmal zu schreiben und nicht tausend Möglichkeiten im Kopf zu wälzen.

Finde ich ja witzig. Verstehe ich das richtig? Man schreibt in seinem normalen Schreibprogramm? Oder ist da ein Texteditor integriert?
BP alias PB
Da ist ein simpler Texteditor integriert. Noch besser wäre es natürlich, wenn man das irgendwie in OpenOffice oder Word integrieren könnte, aber das wäre technisch vermutlich kaum machbar.