KaMPf d3N hdggGGgdl <3

“Hi SüzZzze, ish hab diCh qanZ arq lüüüüp <3″ Solche Sätze sind das traurige Produkt einer heutzutage weit verbreiteten Jugendkultur.

Ich taufe sie mal die HEAGDL-Rechtschreibung, ein offizieller Name ist das allerdings nicht. Für Laien: HEAGDL steht für Hab euch alle ganz doll lieb. Wird in den unterschiedlichsten Variationen geschrieben: meist mit wild durcheinandergewürfelter Groß- und Kleinschreibung und einer unzahl von G-Buchstaben. (Lit.: Hab euch alle ganz ganz ganz ganz ganz doll lieb).

Manche Menschen werden sie vielleicht noch nicht bemerkt haben, je nachdem in welchen Ecken des Netzes sie sich herumtreiben. Wer hingegen schon einmal im schülerVZ war, sich die Facebook-Seiten von Dreizehn-, Vierzehnjährigen angeschaut hat oder über ein Forum gestolpert ist, das hauptsächlich von frühen Teenagern besucht wird, hat sich garantiert schon einmal verwundert die Augen gerieben.

Dort gehört es gewissermaßen zum guten Stil, die deutsche Rechtschreibung zu verhunzen. Es ist fast wie eine Art Wettbewerb, wer die absurdesten Schreibweisen findet, die gerade noch verständlich sind. Nur um ein paar Elemente aufzuzählen (Warnung: Der Autor distanziert sich hiermit von den unten genannten Angaben und übernimmt keine Haftung für eventuell entstehende psychische oder physische Schäden, die bei der Lektüre entstehen könnten. Einschließlich Augenkrebs, aufkeimender Legasthenie und Beule-vom-mit-der-Faust-gegen-die-Stirn-patschen):

  1. Sinnlose Vervielfachung von Konsonanten, besonders s ist betroffen und Konsonanten, die sowieso schon gedoppelt werden. (habennnnnnnn, süssssssssse)
  2. Wahllose Groß- und Kleinschreibung. Beachte: Nie am Anfang des Wortes groß schreiben, schon gar nicht bei Substantiven, sondern am besten in der Wortmitte und in langen Konsonantenketten (siehe 1.)
  3. Ersetzung von bestimmten Konsonanten. Besonders beliebt ist es, g durch q zu ersetzen und s durch z, sowie ch durch sh und b durch p. Besonders auf das ersetzende z werden gerne die Punkte 1 und 2 angewandt. (süzZzZZze, ich maq dish) Teilweise trifft das auch auf Vokale zu, ie wird gern mit ü replatziert.
  4. Im Stil von Leetspeak werden häufig bestimmte Buchstaben durch Ziffern ersetzt, etwa e durch 3 (es liest sich wie ein umgedrehtes Schreibschrift-E) und a durch 4 (man drehe eine 4 um etwa 45°, um zu sehen, was ich meine).
  5. Wer sich die absurdeste und längste Abkürzung ausdenkt, hat gewonnen! Hdgdl ist noch lange nicht genug (Hab dich ganz doll lieb). Ileagad ist nicht etwa eine Stadt in Mittelerde, sondern steht für Ich lieb euch alle ganz arg doll. Besonders arg, ganz und doll sind beliebte Bekräftigungsverben, die häufig vervielfältigt werden, um ihre Wirkung zu unterstreichen.
  6. Je fantasievoller ein Smiley, desto besser. Wer verwendet denn noch :-) oder :-( . Asiatische Smileys sind angesagt: ^_^ (kurz: ^^) ^u^. Oder solche: -.-, -,-. Oder das hier: –@ (wer hats erkannt? Das ist eine Blume). Oder das: @== (in ICQ ist das eine Bombe).

Für alle, die sich noch an eine letzte verzweifelte Hoffnung geklammert haben: Das ist weder Satire noch Übertreibung, sondern die bittere Wahrheit. Bitter vor allem auch deswegen, weil die Schreiber meist keine Rechtschreibschwachen oder Hauptschulabbrecher sind, sondern durchaus auch Leute, die in Deutsch auf dem Gymnasium auf einer zwei stehen und es eigentlich wirklich können.

Als Autor bin ich sehr tolerant, was sprachliche Aspekte wie die dichterische Freiheit angeht und kann mir auch beim übermäßigen Gebrauch von Anglizismen noch auf die Zunge beißen (ein paar verwende ich auch selbst häufig), aber irgendwo hört das belächelnde Kopfschütteln auf und verwandelt sich in ein Stirnrunzeln. Ich meine, was ist der Sinn davon, die Sprache absichtlich zu verhunzen? Wenn das heute cool ist, wie werden dann Geschäftsbriefe in zwanzig Jahren aussehen? Ich bin jedenfalls ratlos angesichts dieses Trends und ertappe mich dabei, wie ich händeringend vor dem Bildschirm sitze und hoffe, dass diese Welle nicht überschwappt.

Wir Deutschen haben eine so schöne Sprache (nein, ich bin kein Nazi, noch nicht einmal konservativ orientiert – eigentlich eine Schande, dass man das häufig dazusagen muss), wann werden wir uns dem endlich bewusst und hören auf, unser Heil in der Fremde zu finden? (Übrigens finde ich es lächerlich, dass Lena Meyer-Landrut auf Englisch singt, das sie nicht gar so virtuos beherrscht, während irgend ein kleiner Balkanstaat den Mut aufbringt, trotz der Gefahr, dass die Zuschauer seinen Text nicht verstehen, seine Landessprache zu verwenden…)

Über Pyrochrom
Gestatten, Pyrochrom. Meines Zeichens Oberstufen-Gymnasialschüler aus der südwestlichen Ecke Deutschlands. Nein, nicht der ganz unten, sondern der bei Karlsruhe. Präziser könnte man sagen: In Karlsruhe. Aber das ist nebensächlich. Ich bin bekennender Fantasy-Fan und auch Hobby-Autor, mache mir gerne Gedanken über philosophische Fragen und programmiere. Was vielleicht noch erwähnenswert wäre, ist mein Interesse für die Historik und, dass ich Schlagzeug spiele.

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